Zum vierten Mal in Folge fand vom 03.06. bis 11.06.06 im Sauerland-Stern-Hotel die Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften statt. Dieses Jahr wurde in der neuen riesigen „Hall of Convention“ gespielt, die noch bessere Spielbedingungen als die Sauerland-Halle bot. Leider fiel der „Hall of Convention“ die bisherige Sporthalle zum Opfer, was das Freizeitangebot gerade für die U10 und U12 Spieler sehr einschränkte. Zum Ausgleich wurde von uns das Lagunenbad, ein nahe liegendes Hallenbad mit diversen Rutschen,  mehr als sonst in Anspruch genommen.

Die Anmeldung dauerte dieses Jahr etwas länger als gewohnt,wobei aber keiner genau sagen konnte, woran das lag, da es das seit Jahren gewohnte Procedere war. Kleinere Probleme gab es mit den reservierten Zimmern, die aber alle schnell gelöst wurden.

Bei der Eröffnungsveranstaltung trat unsere Delegation in den neu angeschafften Trikots der Schachjugend auf und fiel dadurch positiv auf. Gerade bei unseren Jüngsten sind diese sehr gut angekommen.

In der U10 war mit Ludwig Stahnecker ein erfahrener Spieler am Start. Zusätzlich vertraten die SJRP noch Samuel Helle, Jakob Hirschmann, Andras Bonk, Sören Palm, Carmen Grzeca und Bianca Bakalarz. Ludwig wurde im Vorfeld ein Platz unter den Top 10 zugetraut, bei optimalen Verlauf sogar mehr. Leider stand er sich selbst etwas im Weg. Zwei bessere Stellungen in Runde 2+3 wurden noch zum Verlust verpatzt. Die anschließende Aufholjagd  mit 5 Siegen in Folge endete mit einer Niederlage in Runde 9. In den letzten beiden Runden kam er nicht über ein Remis hinaus. In der Endtabelle belegte er deshalb mit 7 Punkten aus 11 Partien Rang 20.

Auch die anderen U10er wussten im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu überzeugen. Erfreulich dabei ist, dass alle – Qualifikation vorausgesetzt – noch nächstes Jahr in der U10 starten dürfen, Sören und Jakob sogar noch 2008. Da wachsen in der U10 einige schöne Talente nach, die es bei entsprechender Förderung sicher weit bringen können.

In der U12 ruhten unsere Hoffnungen auf eine vordere Platzierung auf Ramil Babayev. Immerhin war es bereits seine dritte Deutsche Meisterschaft. Aber auch Pascal Grzeca und Pascal Barzen wurden passable Platzierungen zu getraut, da sie doch auch bereits zum zweiten Mal am Start waren.

Das Leistungsvermögen von Torsten Schubert und Sascha Lang konnte im Vorfeld nicht so recht eingeschätzt werden, da dies ihre erste DJEM war.

Die Mädchen waren mit Jewgenija Korman und Sandra Bohrmann vertreten. Gerade Jewgenija wurde in der Mädchenwertung einiges zugetraut, weil sie bereits zum  vierten Mal ins Rennen um die Deutsche Meisterschaft ging.

Ramil wurde den Erwartungen mehr als gerecht. Rang 16 sind als jüngerer Jahrgang ein gutes Ergebnis. Auch das Abschneiden von Torsten Schubert (58.) und Sascha Lang  (70.) war gut. Nicht ganz zufrieden stellend waren dagegen die Ergebnisse der anderen Jungs. Ihre Entwicklung stagniert etwas.  Möglicherweise liegt es am mangelnden häuslichen Training, denn Talent ist zweifellos vorhanden.

Jewgenija wurde den Erwartungen auch nicht ganz gerecht. Mit Rang 13 in der Mädchenwertung kann sie nicht zufrieden sein. Immerhin stand sie bereits einmal auf dem Treppchen.

Das Abschneiden von Sandra war dagegen in Ordnung. Mit etwas mehr Fortune und Siegeswillen wäre sogar etwas mehr drin gewesen.

U 14 w:

Anna Endress steckte sich am Dienstag bei ihrer kleinen Schwester an (Magen-Darm-Probleme) und biss sich tapfer am Brett durch. Leider setzte sie sich am Donnerstag mehr oder weniger selbst matt als sie sich vom Spielgeschehen am Nachbarbrett ablenken ließ.

Dennoch ist die Vizemeisterschaft ein toller Erfolg. Man darf nicht davon ausgehen, dass sie jedes Jahr  im Vorbeigehen Deutsche Meisterin wird. Auch die Konkurrenz wird gefördert und trainiert fleißig.

Anne Becher erreichte nicht ganz ihr Ziel: Ein Platz unter den ersten Zehn. Drei Buchholzpünktchen fehlten leider dazu.

Chantal Voss stand leider neben sich. Sie kann sicher viel mehr. Durch grobe Fehler wurden einige Partien weggeworfen. So reichte es am Ende nur zu Rang 22.

U14:

Maxim Korman wurde im Vorfeld intern als Geheimfavorit gehandelt. Diesen hohen Erwartungen konnte er leider nicht gerecht werden. In Runde 3 stellte er in Gewinnstellung  eine Figur ein. Nach diesem Verlust konnte er sich nicht mehr aufraffen. Am Ende belegte er Rang 14.

U16w:

Hier waren Janina Remy und Janine Voss am Start.

Janina stand meistens recht gut, hatte aber dann Konzentrationsprobleme und konnten dann die Chancen nicht nutzen, vielleicht noch eine Nachwirkung ihrer schweren Krankheit?

Mit 4,5 Punkten erreichte sie Platz 13.

Janine ging es ähnlich wie ihrer Schwester Chantal. Mit 3,5 Punkten wurde sie 21.

U16:

Martin Heider stand in der ersten Runde gegen Marco Baldauf klar besser und verlor dann aber noch. Die nächste Partie konnte er anschließend schön gewinnen. In diesem Rhythmus ging es weiter. Verlustpartien wechselten sich mit Gewinnpartien ab. Leider verlor er die beiden letzten Runden und so musste sich Martin mit Rang 21 zufrieden geben.

U18w:

Auch hier war mit Anne Reiske ein alter Hase am Start. Sie hatte bereits einige Deutsche Meisterschaften auf dem Buckel. Als Zwanzigste gesetzt wurde sie mit ausgezeichneten 5 Punkten Zehnte: Eine sehr gute Leistung bei ihrer letzten DJEM.

U18:

Florian Armbrust wollte den Titel gewinnen. Dies merkte man ihm an. Mit Weiß alles gewinnen und mit Schwarz remis machen, das war sein Plan. Alles verlief lange planmäßig bis zu seinem „Schwarzen Donnerstag“. Eine fast schon gewonnene Partie wurde in dem Sand gesetzt und aus war der Traum. Aber noch war zumindest Rang 3 erreichbar. Wie es so ist, ein Fehler kommt selten alleine. Auch in der letzten Runde stand Florian klar auf Gewinn. Wieder verlor er den Faden und die Partie. Seine letzte DJEM beendete Florian daher auf Rang 6.

Julian Beller war bei seiner Zielsetzung bescheidener. Bei seiner ersten und letzten DJEM wollte er die 50% Marke erreichen. Mit teils interessanten Partien und einer Eröffnungsneuerung, die sein Betreuer IM Mietek Bakalarz frisch von der Olympiade aus Turin mitgebracht hatte, konnte er sein Ziel sogar leicht übertreffen. Am Ende standen 5 Punkte zu Buche, die für Rang 13 reichten.

Leider wurde die Meisterschaft durch von einem Vorfall in der U12 überschattet. Ein übereifriger, ehrgeiziger Vater/Betreuer griff in eine laufende Partie ein. Um ein Zeichen zu setzen, wurde am Freitagmorgen alle Eltern ausgesperrt, was von vielen Kindern mit spontanen Applaus kommentiert wurde. Die allermeisten Kinder fühlen sich von ständig  präsenten Eltern sehr stark unter Druck gesetzt. Ich selbst bemerkte einige Eltern, die sich richtiggehend häuslich neben dem Brett ihres Sprösslings einrichteten und sich bis zu Ende der Partie nicht einen Schritt vom Brett entfernten. Wer kann unter solchen Umständen unbeschwert spielen ?? Ich könnte es nicht.

Christian Plitzko